Eigentlich echt

(Dieser Text ist in einer Publikation zu Ausstellung und Symposion »RealFake« der Kunstuniversität Linz im Dezember 2010 erschienen; Redaktion: Tina Frank, Julia Juriga-Lamut.)

Eigentlich echt
Über den metaphorischen Charakter von real und fake

Der Mensch ist ein ästhetisches Tier. Mit Schön-Sein hat das zunächst – oder überhaupt – nichts zu tun. Allerdings unterscheidet den Menschen vom Tier, dass er seine Lebensbedürfnisse reflektieren kann. Zu diesen Bedürfnissen gehört unter anderem, Anschauungen ins Leben zu integrieren. Was wir anschauen, sagt uns etwas, und wir versuchen, es kreativ und verstehen wollend in unser Hier und Jetzt einzubauen. Kant prägte dafür den Begriff der »Anschauungsformen« von Raum und Zeit. Von den Dingen, die wir anschauen, können wir von Vorneherein nur das erkennen, »was wir selbst in sie legen« (KrV, B XVIII). Das heißt, dass wir auch beim vermeintlich passiven Anschauen aktiv sind: wir konstruieren unsere Wirklichkeit, bringen sie hervor, sind poietisch: Wahrnehmend gestalten wir eine Fiktion. Diese hat einen Ort, und während der Gestaltung vergeht Zeit …

Vollständiger Text in: Kunstuniversität Linz (Hg.): Real Fake. Reality As Image – Image as Reality. Linz: Eigenverlag 2010, S. 38–41.

(© Martin Ross, 29.8.2010)

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