Die Republik ausstellen

Zur Idee des »Hauses der Geschichte der Republik (Österreich)«

Die Umsetzung des Konzepts eines »Hauses der Geschichte der Republik« in Wien droht in eine verkehrte Richtung zu laufen. Damit sind nicht die derzeit diskutierten Ausstellungskonzepte gemeint (die durchaus interessant sind und zum Teil ja erst konkretisiert werden müssen), sondern der Vorschlag des Bundeskanzleramts [1]. Dieser überlegt ernsthaft, das im 19. Jh. von Hasenauer und Semper konzipierte – und nie vervollständigte – Kaiserforum zu vollenden. Was der Plan vorsieht, zeigt das am 8./9. November 2008 verbreitete Bild. Warum ist diese Idee verfehlt?

Wollte man gegenüber jenem Hofburgtrakt, in dem sich heute u.a. die Nationalbibliothek, das Völkerkundemuseum und die Musikinstrumentensammlung befinden, ein grundrissähnliches, aber verkleinertes Gebäude als »Haus der Geschichte« hinstellen – wie das Bild zeigt –, bedeutete dies dreierlei: Der BLICK auf das Parlamentsgebäude wäre VERSTELLT, das »Haus der Geschichte der Republik« würde dem Parlament quasi den Rücken zukehren; die aktuelle durchaus sinnvolle gebrochene Achse zum Parlament außerhalb der Ringstraße wäre nicht mehr sichtbar, vielmehr wäre dieser Ort der Demokratie aus dem imperialen Bezirk nun auch VISUELL AUSGESCHLOSSEN; drittens – und vielleicht am prekärsten – wäre dieses zu schaffende Gebäude KLEINER als sein Pendant. Dieses Sich-Ducken der Republik angesichts der Monarchie, angesichts des sich dort befindenden »Hitler-Balkons« wäre ein fatales Zeichen: Die lebendige Republik ordnet sich visuell dem Haus der toten Monarchie, dem dort von der toten Diktatur okkupierten Balkon unter. Hier ist zu fragen, ob man das wirklich bedacht hat.

Wo ist das Parlament?

Wer ein »Republiks-Forum« erwägt, kann das Parlament – DEN Ort der Republik und der Demokratie – einfach nicht ausschließen. So ein Ausschluss würde jedoch durch den vorgeschlagenen Bau an der Volksgartenseite des Heldenplatzes zwangsläufig vollzogen (siehe das Bild). Und immer angenommen, dieser Bau würde so konzipiert, wie vorgeschlagen: Da er kleiner ist als sein Gegenüber, würde dem »Hitler-Balkon« die Dominanz eben NICHT genommen. Umgekehrt bedeutet das aber nicht, dass eine gleiche Größe den erwünschten Effekt hätte. Man bekäme so zwar ein Forum, das aber weitgehend funktionslos wäre – und eben das Parlament außerhalb des Gesichtsfeldes hätte. Zudem wäre die Idee eines »Hauses der Geschichte der Republik« entwertet.

Die Projekte

Die im Zeitungsbericht erwähnten Projekte [2] schließen einander von Vornherein nicht aus. In diese Richtung weist der dort berichtete Vorschlag von Zinggl, der hier ansatzweise weitergedacht werden soll: Ein bestehender Bau in der Nähe von Parlament, Rathaus, Hofburg stellt Büroflächen zur Verfügung, in denen im Sinne des Bogner-Projekts ein wie auch immer zu verstehender virtueller Zugang zur Geschichte der Republik Österreich erarbeitet werden kann. Dies erforderte allerdings ein verantwortungsvoll ausgearbeitetes ausstellerisches – und didaktisches! – Konzept, das stark interaktiv geprägt sein müsste.

Einen gewissen Charme hätte allerdings auch die Haas-Idee, wenn man sie mit den seltsamen Forumsvorstellungen des Kanzleramts verbindet. Geht es um einen realen Bau, braucht es einen Standort: anstatt des grundrissähnlichen, das »Kaiserforum« vollendenden Baus wird an der vorgesehenen Stelle ein runder gläserner Turm gebaut. (Der dem Kleinformat geopferte Leseturm des MQ harrt immer noch seiner Verwirklichung …) Dieser markiert nicht nur die Forumsgrenze des 19. Jahrhunderts, sondern ist transparent; die runde Form bietet Umblick in alle Richtungen und schließt die Gebäude der Demokratie mit ein; seine noch zu bestimmende Höhe – er muss hoch sein! – ist eine Landmark der besonderen Art: der Turm der Geschichte der Republik bietet dann einen gleichberechtigten Ausblick auf die Geschichte der Republik, eine Ausstellung der besonderen Art. Wien hätte ein neues Zentrum.

Um allfälligen phallomanischen Kritikerinnen und sonstigen mitmenstruierenden Besserwissern entgegenzutreten: es ist Sache der architektonischen Gestaltung, ob so ein Gebäude phallisch wirkt; die Idee ist es nicht. Man kann ja in optionalen bodennahen, sich horizontal erstreckenden Ausstellungs- und Präsentationsräumen jene Ergebnisse präsentieren, die in den oberen bis obersten gläsernen Etagen in Recherche- und Arbeitsräumen online erarbeitet wurden – im Sinne der Bogner-Idee; ob von SchülerInnen oder anderen, ist dabei sekundär (wie überhaupt die Zielgruppenfrage immer wieder überstrapaziert wird). Jedenfalls wird es eines versierten Teams von Fachleuten aus den Bereichen Geschichte, Politikwissenschaft, Ausstellungsdesign, Kulturwissenschaften usw. bedürfen, um die Institution »Haus der Geschichte der Republik« zum Funktionieren zu bringen.

Fazit

Wie auch immer die Republik sich auszustellen gedenkt (nochmal: die beiden diskutierten Projekte schließen einander ja nicht aus, weil man »reell« und »virtuell« als einander ergänzend begreifen könnte), die Vollendung des »Kaiserforums« wäre ein fatales Zeichen – historisch wie stadtplanerisch. Vielleicht mag diese Idee die Nächtigungszahlen Wiens verbessern. Ein Ausstellen des republikanischen Selbstbewusstseins dieses Landes kann so sicher nicht erreicht werden. Es ist an der Zeit, die Projekte ausführlicher publik zu machen, als das bislang geschehen ist. Eine Institution »Haus der Geschichte der Republik« (warum steht »Österreich« nicht im Titel?) ist von öffentlichem Interesse und muss öffentlich diskutiert werden.

[1]: Vollendung als Forum der Republik, in: der Standard,
8./9. 11. 2008, S. 2

[2]: Ein Schlüssel für die Heimat, ebda.

(11/2008)

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